Überladene Wohnmobile direkt aus dem Werk Knaus Tabbert?

Überladene Knaus und Weinsberg Wohnmobile

Das Thema rund um überladene Wohnmobile ist sehr umfangreich und wird bereits seit einigen Jahren vielseitig diskutiert. Gerade Anfang des Jahres haben falsche Gewichtsangaben bei Wohnmobilen zu einer Razzia durch die Staatsanwaltschaft eines bekannten Wohnmobilherstellers geführt. Die Ermittlungen laufen und der Verdacht auf Betrug war dementsprechend vorhanden, so dass es zur Durchsuchung in der Zentrale kam.

Wir haben uns nun über einige Wochen mit dem Thema des Übergewichts bei Wohnmobilen beschäftigt und festgestellt, dass aus den verfügbaren, bzw. nicht verfügbaren Informationen bisher keine 100-prozentige Klarheit gewonnen werden konnte. Daher liegt es am Wohnmobil-Käufer genau für diese restliche Klarheit vor bzw. während des Kaufs eines Wohnmobils zu sorgen. Tut er dies nicht, kann es nach Übergabe des Wohnmobils zu ziemlichen Problemen bezüglich des Gewichts seines neu gekauften Wohnmobils kommen.

Doch fangen wir Schritt für Schritt an, so weit es uns möglich ist, Klarheit zu schaffen.

Wir werden folgende Informationen oder fehlende Informationen genauer anschauen und versuchen diese zu vereinen, um etwas mehr Durchblick zu bekommen:

  1. Angaben in Katalogen und Preislisten seitens der Knaus Tabbert AG bezüglich Masse des leeren Fahrzeuges, Masse im fahrbereiten Zustand, maximale Zulademöglichkeit, Mindestnutzlast, Toleranzen, etc.
  2. Angaben in der Verordnung (EU)Nr. 1230/2012 der Kommission vom 12. Dezember 2012 auf die sich die Knaus Tabbert AG in ihren Katalogen/Preislisten bezieht.
  3. Die Strassenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) in Deutschland an die wir uns als Verkehrsteilnehmer zu halten haben.
  4. Gewichtsangaben der AdBlue Tanks, die in der Berechnung der Masse des fahrbereiten Zustands in den Knaus Tabbert Preislisten anscheinend fehlen.

Sollten wir uns dabei unbeabsichtigterweise auf Informationen und Berechnungen beziehen, die nicht korrekt sind, oder wesentliche Punkte ausser Acht gelassen haben, dann bitten wir um entsprechende Hinweise. Natürlich sind auch wir nicht von Irrtümern ausgeschlossen, inbesondere bei einem derartig verwirrenden Thema.

Überladene Wohnmobile direkt ab Werk?

Da kauft man also ganz ahnungslos und voller Freude ein neues Wohnmobil bei einem Knaus Tabbert Vertragshändler, fährt nach der Auslieferung und Übergabe seines neuen Wohnmobils vom Hof des Verkäufers und ahnt nicht, dass das Wohnmobil bereits überladen ist, also das zulässige Gesamtgewicht überschritten ist. Mit der Fahrt vom Hof des Händlers begeht man also bereits eine Ordnungswidrigkeit oder gar Straftat.

Ordnungswidrigkeit oder Straftat?

Das Thema der überladenen Wohnmobile ist wahrscheinlich so alt wie es Wohnmobile gibt. Inzwischen ist wohl auch bekannt, dass überladene Wohnmobile nicht nur eine Ordnungswidrigkeit darstellen und damit zu einer recht hohen Geldbusse und Punkten in Flensburg führen, sondern sogar ein Straftatbestand sind, sofern der Fahrer des überladenen Wohnmobils keine Fahrerlaubnis für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen besitzt. Wer seinen Führerschein nach 1999 erhalten hat, braucht inzwischen für Wohnmobile über 3,5 Tonnen einen Lkw-Führerschein der Klasse C1. Hat man diesen nicht und ist das zulässige Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen überschritten, fährt man ohne Fahrerlaubnis ein Fahrzeug.

Bei Fahren ohne Fahrerlaubnis droht eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder eine hohe Geldstrafe. Auch eine Sperre kann verhängt werden während der die Fahrerlaubnis nicht wieder erworben oder beantragt werden kann.

Wer mit einem überladenen Wohnmobil gar einen Unfall hat, der muss damit rechnen, dass er gar keinen Versicherungsschutz hat, denn beim Abschluss einer Versicherung muss das zulässige Gesamtgewicht angegeben werden. Dann kann er seinen eigenen Schaden und möglicherweise noch den Schaden beim anderen zahlen. Das kann also richtig böse enden.

Strafen im Ausland

Im Ausland sind die Strafen für überladene Wohnmobile oftmals noch höher als in Deutschland. Während man in Deutschland bei einer Überladung von mehr als 20 Prozent des zulässigen Gesamtgewichtes erst weiterfahren darf sobald das Übergewicht aus dem Wohnmobil entfernt wurde (lässt man dies am Strassenrand liegen?), darf man in Frankreich bereits bei über 5 Prozent Überladung nicht mehr weiterfahren. In Grossbritannien gibt es keine Toleranz und man darf schnell mal umgerechnet bis zu 6.000 Euro Strafe zahlen. Auch in Österreich rechnet man nicht mit Toleranzabweichungen und Strafen liegen über 2.000 Euro. In Spanien kann man schon mal nahe an die 5.000 Euro für eine Überladung des Wohnmobils blechen.

Rechtsverordnungen der EU und BRD bezüglich Fahrzeugmassen

Wir haben uns einerseits die Verordnung (EU) Nr. 1230/2012 der Kommission vom 12. Dezember 2012 genauer angeschaut und andererseits die Inhalte in der Strassenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) der Bundesrepublik Deutschland. In beiden Dokumenten finden wir Definitionen und Informationen zu den entsprechenden Fahrzeugmassen. Da die Knaus Tabbert AG sich in ihren Preislisten mehrmals auf die EU Verordnung Nr. 1230/2012 bezieht, schauen wir uns zuerst diese Informationen an.

Verordnung (EU)Nr. 1230/2012

Folgende wichtige Begriffsdefinitionen finden wir in dieser EU Verordnung:

Masse in fahrbereitem Zustand“ bezeichnet bei einem Kraftfahrzeug:
Masse des Fahrzeugs mit dem (den) zu mindestens 90 % seines (ihres) Fassungsvermögens gefüllten Kraftstofftank(s), zuzüglich der Masse des Fahrers, des Kraftstoffs und der Flüssigkeiten, ausgestattet mit der Standardausrüstung gemäß den Herstellerangaben sowie, sofern vorhanden, der Masse des Aufbaus, des Führerhauses, der Anhängevorrichtung und des Ersatzrads/der Ersatzräder sowie des Werkzeugs

Bedeutet „und der Flüssigkeiten“, dass wir zum Gewicht im fahrbereiten Zustand auch den kompletten Frischwassertank hinzurechnen dürfen bzw. müssen? Die obige Formulierung der EU Verordnung schränkt diese auch nicht wie beim Kraftstofftank ein.

Ist eigentlich die Differenz zwischen dem Leergewicht (oder manche nennen es Trockengewicht) und dem fahrbereiten Zustand eines Wohnmobiles standardmässig gleich? Egal von welchem Hersteller wir kaufen, da doch die EU Verordnung festlegt, was zur Masse im fahrbereiten Zustand gehört. Vorausgesetzt wir haben bei den Fahrzeugen gleich grosse Tanks für die entsprechenden Flüssigkeiten und die gleichen Basis-Fahrzeuge? Wir werden noch sehen, dass die Wohnmobil-Hersteller diese EU Verordnung jeweils sehr individuell auslegen. Wir werden auch sehen, dass die Knaus Tabbert AG im Laufe der Jahre die EU Verordnung für sich von Jahr zu Jahr anders definiert und damit andere Gewichtsangaben dem Wohnmobil-Käufer präsentiert.

Weitere wichtige Begriffsdefinitionen aus der EU Verordnung sind:

Masse der Zusatzausrüstung“ bezeichnet die Masse der Ausrüstung, die zusätzlich zur Standardausrüstung am Fahrzeug gemäß den Herstellerangaben angebracht werden kann

tatsächliche Fahrzeugmasse“ bezeichnet die Masse des Fahrzeugs in fahrbereitem Zustand, zuzüglich der Masse der an einem bestimmten Fahrzeug angebrachten Sonderausrüstung

technisch zulässige Gesamtmasse“ bezeichnet die vom Hersteller angegebene Höchstmasse des Fahrzeugs in beladenem Zustand, die auf der Bauart und der bauartbedingten Leistungsfähigkeit des Fahrzeugs beruht

Masse des Fahrers“ bezeichnet eine Masse, die mit 75 kg am Sitzbezugspunkt des Fahrers veranschlagt wird

Nutzlast“ bedeutet den Unterschied zwischen der technisch zulässigen Höchstmasse in beladenem Zustand und der Masse in fahrbereitem Zustand, erhöht um die Masse der Fahrgäste und die Masse der Zusatzausrüstung

Wenn wir das richtig verstanden haben, dann können wir folgende Gleichung aufstellen:

Nutzlast =

technische zulässige Gesamtmasse – (Masse in fahrbereitem Zustand + Masse Fahrgäste + Masse Zusatzausrüstung)

Weiterhin lesen wir in dieser EU Verordnung auf Seite 35/353 unter Artikel 3:

Pflichten der Hersteller

  1. Der Hersteller bestimmt für jede Version innerhalb einer Fahrzeugklasse, unabhängig vom Fertigungsstand des Fahrzeugs, folgende Massen:
    a) die technisch zulässige Gesamtmasse;
    b) die technisch zulässige Gesamtmasse der Fahrzeugkombination;
    c) die technisch zulässige Anhängelast;
    d) die technisch zulässige Achslast der Achsen oder die technisch zulässige Achslast einer Achsgruppe;
    e) die technisch zulässige Stützlast am Kupplungspunkt (an den Kupplungspunkten) unter Berücksichtigung der technischen Merkmale der Kupplungen, die am Fahrzeug angebracht sind oder dort angebracht werden können.
  2. Bei der Bestimmung der in Absatz 1 genannten Massen darf der Hersteller keine Nutzungseinschränkungen für das Fahrzeug festlegen, außer denen, die die Reifenkapazitäten betreffen, die an die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit angepasst werden können und gemäß der UN/ECE-Regelung Nr. 54 — Einheitliche Bedingungen für die Genehmigung der Luftreifen für Nutzfahrzeuge und ihre Anhänger (1) und gemäß Abschnitt 5 von Anhang II der Verordnung (EU) Nr. 458/2011 der Kommission (2) zugelassen sind.

Punkt 4 der Pflichten des Herstellers erscheint doch sehr bedeutsam. Der Hersteller darf also bei der Festlegung der entsprechenden Gewichte die Nutzung des Fahrzeuges nicht einschränken. Wir werden im späteren Verlauf dieses Berichtes noch erkennen, wie die Knaus Tabbert AG eben genau bei der Festlegung der zulässigen Gesamtmasse der Fahrzeugkombination die Nutzung der Wohmobile eben doch einschränken möchte.

Eine sehr wichtige Angabe fehlt uns noch: die Mindest-Nutzlast. Diese wird in der „EU Verordnung“ auf Seite 353/40 unter Punkt 2.6.4.1.2 folgendermassen definiert und berechnet:

Bei Wohnmobilen gilt für die Mindest-Nutzlast (PM) folgende Anforderung:

PM in kg ≥ 10 (n + L)

Dabei gilt:

n“ ist die Höchstzahl der Fahrgäste zuzüglich des Fahrers und

„L“ ist die Gesamtlänge des Fahrzeugs in Metern.

Quelle der EU Verordnung:
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32012R1230

Soweit die für Käufer und Besitzer eines Wohnmobiles relevanten Informationen aus der Verordnung (EU) Nr. 1230/2012 der Kommission vom 12. Dezember 2012. Nun zu den wesentlichen Informationen aus unserer Strassenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO).

Doch vorab noch ein wichtiger Punkt zu EU Verordnungen. Auf Wikipedia erfahren wir dazu folgendes:

Eine Verordnung der Europäischen Union, kurz EU-Verordnung (amtliche Kurzform Verordnung (EU), englisch regulation) ist ein Rechtsakt der Europäischen Union mit allgemeiner Gültigkeit und unmittelbarer Wirksamkeit in den Mitgliedstaaten.

Gemäß Art. 288 Abs. 2 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) sind die Verordnungen diejenigen Rechtsakte, welche allgemeine Geltung haben, in allen ihren Teilen verbindlich sind und unmittelbar in jedem Mitgliedstaat gelten. Sie müssen von den EU-Mitgliedstaaten nicht in nationales Recht umgesetzt werden („Durchgriffswirkung“).

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Verordnung_(EU)

Die Strassenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO)

Auf der Webseite „Gesetze im Internet“ des Bundesministeriums der Justiz finden wir die StVZO und unter Paragraph 42 die Information zum Leergewicht des betriebsfertigen Fahrzeugs.

§ 42 Anhängelast hintere Kraftfahrzeugen und Leergewicht, Absatz 3:

„3) Das Leergewicht ist das Gewicht des betriebsfertigen Fahrzeugs ohne austauschbare Ladungsträger (Behälter, die dazu bestimmt und geeignet sind, Ladungen aufzunehmen und auf oder an verschiedenen Trägerfahrzeugen verwendet zu werden, wie Container, Wechselbehälter), aber mit zu 90 Prozent gefüllten eingebauten Kraftstoffbehältern und zu 100 Prozent gefüllten Systemen für andere Flüssigkeiten (ausgenommen Systeme für gebrauchtes Wasser) einschließlich des Gewichts aller im Betrieb mitgeführten Ausrüstungsteile (zum Beispiel Ersatzräder und -bereifung, Ersatzteile, Werkzeug, Wagenheber, Feuerlöscher, Aufsteckwände, Planengestell mit Planenbügeln und Planenlatten oder Planenstangen, Plane, Gleitschutzeinrichtungen, Belastungsgewichte), bei anderen Kraftfahrzeugen als Kraftfahrzeugen nach § 30a Absatz 3 zuzüglich 75 kg als Fahrergewicht. Austauschbare Ladungsträger, die Fahrzeuge miteinander verbinden oder Zugkräfte übertragen, sind Fahrzeugteile.“

Quellen:
http://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__42.html
https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/index.html#BJNR067910012BJNE006000000

Können wir unter der Formulierung „zu 100 Prozent gefüllten Systemen für andere Flüssigkeiten (ausgenommen Systeme für gebrauchtes Wasser)“ verstehen, dass zum Leergewicht eines Wohnmobiles ein vollständig gefüllter Frischwassertank, Warmwasserspeicher (Boiler) Toilettenspültank gehört?

Soviel erst einmal zu den rechtlichen Gegebenheiten und Formulierungen. Interessant wird es nun, wenn wir uns anschauen, wie die Knaus Tabbert AG uns bezüglich der Gewichtsangaben bei ihren Wohnmobilen informiert. Eigentlich möchte man fast sagen „hinters Licht führen möchte“ und mal wieder – wir kennen es schon zu Genüge – die Verantwortung vollständig an den Endkunden abschieben möchte.

Die ganz grosse Frage, die zum Schluss übrig bleiben wird ist:
„Ist das rechtlich zulässig, wie sich Knaus Tabbert in Bezug auf die Gewichtsangaben und -berechnungen verhält?

Diesen Januar haben wir in den Medien ausgiebig von der Razzia bei der Hymer Gruppe erfahren. Wir glauben doch nicht, dass die Erwin Hymer Gruppe der einzige Wohnmobil-Hersteller ist, der möglicherweise bei den Gewichtsangaben seiner 3,5 Tonnen Wohnmobile betrügt und unerlaubte Werbung im Zusammenhang mit falschen Gewichtsangaben beim Verkauf von Wohnmobilen macht?

Wir werden im folgenden noch etwas schlauer werden, wie es bei den Gewichtsangaben der Knaus Tabbert AG, also vor allem den Knaus und Weinsberg Wohnmobilen aussieht. Einiges wird uns erstaunen und überraschen, denn wir haben jedes einzelne Wohnmobil mit 3,5 Tonnen der Marken Knaus und Weinsberg durchgerechnet.

Gewichtsangaben in Preislisten der Knaus Tabbert AG

Im Laufe der letzten 10 Jahre ist das „Kleingedruckte“ am Ende einer jeden Preisliste der Marken der Knaus Tabbert AG immer umfangreicher geworden. Ganz besonders in Bezug auf die Hinweise zu den Gewichten. Da das Thema inzwischen enorme Ausmasse im Internet und auch bei Gerichten und Staatsanwaltschaften erreicht hat, soll das „Kleingedruckte“ möglicherweise die Herstellerin Knaus Tabbert AG und deren Vertragshändler von jeglicher Verantwortung in Bezug auf die Einhaltung der Gewichte befreien.

Die 5 Prozent Toleranz bei den Gewichtsangaben

Gleich im zweiten Abschnitt des Kleingedruckten auf Seite 91 am Ende der aktuellen Preisliste für Reisemobile 2022-2 von KNAUS lesen wir folgende Formulierung in dem Abschnitt „Allgemeine Abhängigkeiten Reisemobile“:

Zu technischen Angaben und Abbildungen:
Sämtliche Mass- und Gewichtsangaben bewegen sich durch die Verwendung natürlicher Rohstoffe innerhalb möglicher Toleranzen von plus/minus 5 Prozent.

Um also auf der sicheren Seite zu sein, müssen wir auf das Leergewicht des Fahrzeuges (Masse des leeren Fahrzeuges) zuzüglich des Gesamtgewichts der Sonderausstattungen / des Sonderzubehörs gleich mal 5 Prozent draufschlagen. Dabei stehen wir aber bereits vor dem ersten Problem.

In der KNAUS Preisliste 2020-2 liefert uns die Knaus Tabbert AG noch folgende Gewichtsangaben zu den jeweiligen Wohnmobil Modellen:

  • Masse des leeren Fahrzeugs (kg)
  • Masse in fahrbereitem Zustand (kg)
  • Technisch zulässige Gesamtmasse (kg)
  • Maximale Zulademöglichkeit (kg)
  • Anhängelast (kg)

Das waren noch relativ klare Angaben. Ob die Zahlen pro Wohnmobil Modell in dieser 2020-2 Preisliste mit den tatsächlichen Gewichten der an den Kunden ausgelieferten Wohnmobile übereinstimmten ist dabei noch gar nicht geklärt.

Siehe folgendes Beispiel des KNAUS VAN TI 650 MEG für das Jahr 2020:

Quelle: KNAUS Preisliste – Reisemobile 2020-2

Das heisst im Jahr 2020 können wir also noch sehr einfach mit den Knaus Tabbert Preislisten für Reisemobile die 5% Toleranz bei den Gewichtsangaben berechnen, da uns die Masse des leeren Fahrzeuges in kg angegeben wird.

Im Jahr 2021 präsentiert uns Knaus Tabbert in ihrer KNAUS Preisliste – Reisemobile 2021-2 bereits eine etwas andere Darstellung der Gewichtsangaben ihrer Wohnmobil-Modelle:

  • Masse des leeren Fahrzeugs (Basismodell mit Sonderausstattung aber ohne die Grundausstattung) (kg)
  • Masse des Fahrzeugs in fahrbereitem Zustand (Basismodell ohne Sonderausstattung aber mit Grundausstattung) (kg) (Hinweis H140)
  • Technisch zulässige Gesamtmasse (kg)
  • Maximale Zulademöglichkeit (kg)
  • Anhängelast (kg)

Basismodell mit Sonderausstattung aber ohne Grundausstattung gibt uns das Gewicht des leeren Fahrzeugs???

Basismodell ohne Sonderausstattung aber mit Grundausstattung gibt uns das Gewicht des Fahrzeugs in fahrbereitem Zustand???

Sehr merkwürdige und vor allem unklare Formulierungen.

Können wir hier noch die 5% Toleranz auf das Leergewicht des Fahrzeuges berechnen? Das ist nicht mehr ganz so eindeutig. Was genau bedeutet „Basismodell mit Sonderausstattung aber ohne die Grundausstattung“? Aber gut, wir könnten dieses Gewicht nehmen und darauf die 5% Toleranz berechnen.

Unter dem erwähnten Hinweis H140 lesen wir in dieser KNAUS Preisliste noch auf Seite 72:
Masse in fahrbereitem Zustand auf Basis des homologierten Grundmodells

Alles klar!!! Homologiertes Grundmodell. Schon mal gehört? Der ein oder andere bestimmt, aber viele wahrscheinlich noch nicht. Was wird gerade geschaffen? VERWIRRUNG. Doch machen wir weiter. Vielleicht wird es im Jahr 2022 besser?

Hier noch das Beispiel des KNAUS VAN TI 650 MEG für das Jahr 2021:

Quelle: KNAUS Preisliste – Reisemobile 2021-2

Inzwischen befinden wir uns also im Jahr 2022. Schauen wir doch mal, wie sich jetzt die KNAUS Preisliste für Reisemobile 2022-2 darstellt:

  • Tatsächliche Fahrzeugmasse inkl. gesetzlich vorgeschriebener Grundausstattung (kg)
  • Technisch zulässige Gesamtmasse (kg)
  • Maximale Zulademöglichkeit (kg)
  • Anhängelast (kg)

Nun können wir also nicht mehr so einfach die 5% Toleranz berechnen, denn die Knaus Tabbert AG liefert uns überhaupt nicht mehr die Information über das Gewicht des leeren Fahrzeugs. Das macht die Berechnung der möglichen „Zuladungen“ vor dem Kauf eines Knaus oder Weinsberg Wohnmobiles nicht gerade einfach.

Hier wieder das Beispiel des KNAUS VAN TI 650 MEG für das Jahr 2022:

Quelle: KNAUS Preisliste – Reisemobile 2022-2

Es ist auch nicht sofort klar, was genau die „tatsächliche Fahrzeugmasse inkl. gesetzlich vorgeschriebener Grundausstattung“ bedeutet, denn diese wird von Hersteller zu Hersteller ganz anders berechnet und selbst die Knaus Tabbert AG scheint ihre Berechnungen diesbezüglich von Jahr zu Jahr zu ändern. Allerdings gibt diese Formulierung doch einen eindeutigen Hinweis darauf, dass das Gesetz eine bestimmte Grundausstattung bei den Fahrzeugen vorschreibt. Doch was genau fällt denn nun tatsächlich alles unter diese Grundausstattung?

Bevor wir uns jedoch noch genauer damit beschäftigen, noch kurz ein paar Rechenbeispiele bezüglich dieser 5% Toleranz als uns die Knaus Tabbert noch das leere Gewicht ihrer Wohnmobil Modelle mitteilte.

Knaus VAN TI (FIAT) 650 MEG im Jahr 2021:
2.635 kg (Leergewicht) x 0,05 = 131,75 kg = 5% Toleranz
2.635 kg + 131,75 kg = 2.766,75 kg (Leergewicht inkl. 5% Toleranz)

Knaus SKY TI 700 MX im Jahr 2021:
2.825 kg (Leergewicht) x 0,05 = 141,25 kg = 5% Toleranz
2.825 kg + 141,25 kg = 2.966,25 kg (Leergewicht inkl. 5% Toleranz)

Wir können also gleich mal rund 132 kg beim Knaus VAN TI 650 MEG und 141 kg beim Knaus SKY TI 700 MX auf das Leergewicht draufschlagen. Nicht zu vergessen ist, dass wir noch keinerlei Zusatzausrüstung oder Sonderausstattung an diesem leeren Fahrzeug haben, was üblicherweise kaum ein Käufer so kaufen wird.

Momentan erscheinen diese Leergewichte (inklusiv der 5% Toleranz) noch ausreichend für Zusatzausrüstung, zusätzliche Fahrgäste, die Campingausrüstung, das Essen und Trinken, eine zweite Gasflasche, Bettwäsche, Kleidung, Küchenutensilien, etc. Doch wir werden im weiteren Verlauf noch genauer hinschauen und rechnen. Alle teilintegrierten KNAUS und WEINSBERG Wohnmobil Modelle werden wir genau berechnen und dann kann jeder entscheiden, ob er dieses entsprechende Modell kaufen möchte oder lieber nicht.

Eines muss der Wohnmobil-Besitzer auf jeden Fall sicherstellen: die Einhaltung der Mindestnutzlast gemäss der EU Verordnung Nr. 1230/2012 vom 12. Dezember 2012. Das macht das ganze Thema noch etwas undurchsichtiger. Versuchen wir also weiter etwas Licht ins Dunkel zu bringen, denn wo es bekanntlich dunkel ist, liegt Ver(w)irrung nahe und ist Betrug leicht möglich.

Die Königsdisziplin der Knaus Tabbert AG: Verantwortung abschieben

Wir lesen ebenfalls in der aktuellen Knaus Tabbert Preisliste 2022-2 für Reisemobile:

Bei der Auswahl von Zusatzausrüstung tragen Sie Verantwortung dafür, dass Ihr KNAUS Freizeitfahrzeug nach Abzug der Masse der Fahrgäste (veranschlagt mit 75 kg je Fahrgast) und der Masse der Zusatzausrüstung von der maximalen Zulademöglichkeit immer noch über eine Mindest-Zulademöglichkeit (= Mindest-Nutzlast) verfügen muss, die keinesfalls unterschritten werden darf (vgl. Anhang I, Teil A, Ziff. 2.6.4.1.2 VO (EU) 1230/2012).

Als Käufer des KNAUS Freizeitfahrzeugs sind Sie zur Einhaltung der Mindest-Nutzlast verpflichtet.

Alles klar, lieber Wohnmobil-Käufer?

War Dir vor diesem Beitrag die Berechnungsformel der Mindest-Nutzlast bereits bekannt?

Nicht?

Macht nichts, die Knaus Tabbert AG klärt Dich dementsprechend auf und Du trägst dann die Verantwortung. Am Ende der Knaus / Weinsberg Preisliste wie auch in der EU Verordnung 1230/2012 erfahren wir schliesslich die Formel für die Berechnung der Mindest-Nutzlast.

Die Herstellerin, Knaus Tabbert, wird alles produzieren was Du bestellst – auch wenn dabei die gesetzlichen Verordnungen und Richtlinien nicht eingehalten werden. Dafür ist der Wohnmobil-Käufer verantwortlich, nicht die Knaus Tabbert AG oder der Knaus Tabbert Vertragshändler. Denn mit dem Gesetz scheint es die Knaus Tabbert auch nicht so genau zu halten, wie uns jüngst der Wohnmobil-Dieselskandal zeigt. Da produziert man schön weiter seine Wohnmobile, obwohl man bereits weiss, dass die Wohnmobile auf FIAT-Ducato der Jahre 2014 bis 2019 mit Euro 5 oder Euro 6 bei weitem nicht die gesetzlich festgelegten Schadstoff-Grenzwerte einhalten.

Mindest-Nutzlast bei Wohnmobilen

Da sie gemäss dem Kleingedruckten in den Preislisten der Knaus Tabbert AG so immens wichtig ist und der Käufer die Verantwortung zur Einhaltung trägt , folgt hier nochmal gemäss der EU Verordnung auf Seite 353/40 unter Punkt 2.6.4.1.2 die Formel für die Berechnung der Mindest-Nutzlast:

Bei Wohnmobilen gilt für die Mindest-Nutzlast (PM) folgende Anforderung:

PM in kg ≥ 10 (n + L)

Dabei gilt:

„n“ ist die Höchstzahl der Fahrgäste zuzüglich des Fahrers und

„L“ ist die Gesamtlänge des Fahrzeugs in Metern.

Beispielrechnung für den KNAUS SKY TI 700 MX mit einer Gesamtlänge von 7,50 Metern und 4 zulässigen Personen im Fahrbetrieb (einschliesslich des Fahrers):
10 (4 + 7,50) ≥ 115 kg = Mindest-Nutzlast des KNAUS SKY TI 700 MX

Beispielrechnung für den KNAUS VAN TI (MAN) 640 MEG mit einer Gesamtlänge von 6,89 Metern und 4 zulässigen Personen im Fahrbetrieb (einschliesslich des Fahrers):
10 (4 + 6,89) ≥ 108,9 kg = Mindest-Nutzlast des KNAUS VAN TI (MAN) 640 MEG

Weiterhin steht am Ende dieser KNAUS Preisliste 2022-1 im Kleingedruckten noch folgendes:

Sollte das von Ihnen gewünschte Fahrzeug aufgrund der ausgewählten Sonderausstattung nicht die erforderliche Zulademöglichkeit und Mindestnutzlast aufweisen, so haben Sie für Ihre Bestellung zwei Möglichkeiten zur Auswahl:
– Auflastung des Fahrzeugs
– Abwahl von Sonderzubehör

Bei bestimmten Reisemobil-/CUV-Modellen der Marke KNAUS haben Sie (modellabhängig und auf Anfrage) die Möglichkeit, die Anzahl der zugelassenen Sitzplätze im Fahrbetrieb bereits bei der Bestellung zu reduzieren. Durch die Reduzierung der Anzahl der zugelassenen Sitzplätze im Fahrbetrieb um einen Sitzplatz, erhöht sich die Zulademöglichkeit oder die Möglichkeit Zusatzausrüstung zu bestellen bei Ihrem Freizeitfahrzeug um insgesamt maximal 85 kg.

Spätestens jetzt müsste man sich doch wundern.

Die Masse jedes Fahrgastes wird gemäss Verordnung (EU) Nr. 1230/2012 der Kommission vom 12. Dezember 2012 mit 75 kg veranschlagt.

Reduzieren wir also einen zugelassenen Sitzplatz bei Bestellung eines KNAUS Wohnmobils, haben wir 85 kg dazu „gewonnen“. Woher sind denn plötzlich die zusätzlichen 10 kg gekommen? Halten wir uns an die EU Verordnung 1230/2012 dann dürften wir mit einem reduzierten Sitzplatz doch auch nur 75 kg an verfügbarer Nutzlast dazu gewinnen?

Die Masse im fahrbereiten Zustand – eine grosse Verwirrung

Obwohl gemäss der EU Verordnung auf Seite 35/353 unter Artikel 3 (Pflichten der Hersteller) unter Punkt 4 der Hersteller keine Nutzungseinschränkungen für das Fahrzeug festlegen darf, haben die Verantwortlichen der Knaus Tabbert AG ganz einfach mal die Nutzung für das gekaufte Wohnmobil während der Fahrt eingeschränkt. Doch was schert das die Entscheidungsträger bei Knaus Tabbert? Dort werden eigene Regeln und rechtliche Informationen aufgestellt. So lesen wir weiter im Kleingedruckten der KNAUS Preisliste 2022-2:

Die Masse des leeren Fahrzeugs im Sinne dieser Preisliste ist die Masse des Fahrzeugs in Serienausstattung und ohne Grundausstattung, d.h. ohne die Masse des Fahrers und ohne „Flüssigkeiten“, sowie ohne Zusatzausrüstung i.S.v. Art. 2, Ziff . 3 VO (EU) 1230/2012.

Die Masse in fahrbereitem Zustand gem. Art. 2, Ziff . 4 a) VO (EU) 1230/2012 ist, sofern nichts Abweichendes geregelt ist, definiert als:

Masse des Fahrzeugs mit Standardausrüstung gem. Herstellerangaben (inkl. Bordwerkzeug)
+ Kraftstofftank zu 90% gefüllt
+ 75 kg (Masse des Fahrers)
+ Flüssiggasflasche (5kg/11kg Füllmenge) zu 100% gefüllt (entspricht 10/23kg Gesamtmasse)
+ Frischwassertank zu 100% gefüllt (Fassungsvermögen des Frischwassertanks ist je nach Fahrzeugmodell begrenzt auf 10 ltr.**/ 20 ltr.**/40 ltr. ** Frischwasser im Fahrbetrieb, sofern technisch vorgesehen)
+ Toiletten-Spültank zu 100 % gefüllt
+ Frischwassererhitzer zu 100% gefüllt

= Masse in fahrbereitem Zustand

Folgende Nutzungen des Wohnmobils schränkt die Knaus Tabbert AG bei der Berechnung ihrer Masse in fahrbereitem Zustand also ein:

  1. Der Frischwassertank wird im Fahrbetrieb je nach Fahrzeugmodell auf 10, 20 oder 40 Litern begrenzt.
  • Gemäss der KNAUS Preisliste 2022-2 werden alle teilintegrierten Wohnmobil Modelle auf 10 Liter Frischwasser im Fahrbetrieb eingeschränkt.
  • Während der Fahrt wird die Nutzung des Wohnmobils also auf 10 Liter im Frischwassertank beschränkt, obwohl der Frischwassertank bei den meisten teilintegrierten Knaus Wohnmobil Modellen 95 Liter oder 100 Liter fassen kann.
  • Wozu wird überhaupt ein 95 oder 100 Liter Wassertank eingebaut?
  • Warum wird es eigentlich Reisemobil genannt? Ist es nicht dazu gedacht, damit auf Reisen zu gehen und während dieser Reise einen entsprechenden Wasservorrat gemäss des eingebauten Frischwassertanks zu haben?
  • Wieso wird überhaupt eine Dusche in die Wohnmobile eingebaut, wenn man diese scheinbar nur auf Campingplätzen nutzen kann. Also nur dann, wenn man auch den Frischwassertank vollständig befüllen soll / darf?
    Wer nutzt die Dusche in seinem Wohnmobil, wenn er auf einem Campingplatz mit Sanitäranlagen steht?
  • Und wie funktioniert eigentlich die Wasserpumpe bei 10 Liter im 100 Liter Frischwassertank? Greift die Pumpe da noch? Habt ihr das mal ausprobiert? Ist deren Nutzung damit also auch eingeschränkt?
  1. Eine zu 100% gefüllte Gasflasche: 5kg/11kg Füllmenge entspricht 10kg/23kg Gesamtmasse
  • Wieso werden die Wohnmobile mit 2 Plätzen für 2 mal 11kg Füllmenge Gasflaschen konzipiert?
  • Der mit Abstand meist verbreitete Gasflaschentyp ist die graue Kaufflasche aus Stahl, da die leeren Flaschen bei zahlreichen Gas-Tauschstationen gegen gefüllte graue Gasflaschen getauscht werden können.
  • Warum wird als Zubehör der Gasdruckregler TRUMA DuoControl CS angeboten, mit dem zwei Gasflaschen im Wohnmobil angeschlossen werden können und bei dem ein automatisches Umschalten von der leeren auf die volle Gasflasche möglich ist?
Auszug aus dem Knaus Katalog 2022: Werbung für 2 Plätze für graue Gasflaschen aus Stahl
  • Beim Wintercamping, das in den letzten Jahren gemäss Statistik immer beliebter wird und für das Knaus Tabbert selbst wirbt (Winterfeste Wohnmobile), ist das Reisen mit nur einer Gasflasche fast schon grob fahrlässig.
  • Und mit was wurde denn nun die Masse im fahrbereiten Zustand berechnet? Mit einer 5kg Gasflasche (10kg Gesamtmasse) oder mit einer 11kg Gasflasche (23 Gesamtmasse)?

Nun kommt aber in Bezug auf die Berechnung der Masse im fahrbereiten Zustand noch eine ganz wesentliche Frage hinzu, die in den bisherigen Wohnmobil Preislisten von KNAUS und WEINSBERG gar nicht zu finden ist.

Was ist eigentlich mit der Füllung und dem Gewicht des AdBlue Tanks?

Bei den FIAT Ducato Modellen fasst dieser AdBlue-Tank gemäss Webseite von FIAT Professional 19 Liter. Wo wird das Gewicht dieser 19 Liter AdBlue (entspricht ca. 20,71 kg) in der KNAUS Preisliste 2022-2 erwähnt? Wir haben nichts dazu gefunden. Gehört die Füllung des AdBlue Tanks bei der Knaus Tabbert AG nicht zum fahrbereitem Zustand? Oder haben die Mitarbeiter der Knaus Tabbert AG diesen in ihrer Berechnung der Masse im fahrbereiten Zustand einfach vergessen?

Ohne AdBlue lassen sich manche Autos gar nicht mehr starten.

Berechnen wir doch einfach mal was die Knaus Tabbert AG zu ihren Wohnmobilen hinzurechnet, damit wir auf die Masse im fahrbereiten Zustand kommen:

Kraftstofftank:
Der Krafstoffstank darf zu 90% gefüllt sein. Gemäss der Knaus Tabbert Preisliste 2022-2 fasst der Krafstofftank des FIAT Ducato 2,2 Liter 120 Multijet Euro6d-Final insgesamt 75 Liter. 67,5 Liter Diesel (90% Füllung) wiegen 56,70 kg.

Fahrergewicht:
Das Gewicht des Fahrers wird mit 75 kg festgelegt.

Flüssiggasflasche:
Eine gefüllte Flüssiggasflasche wiegt im höchsten Fall 23 kg.

Frischwasser:
10 Liter Wasser im Frischwassertank wiegen 10 kg.

Warmwasserbehälter:
Frischwassererhitzer (Boiler) zu 100% gefüllt sind 10 Liter, wiegt 10 kg.

Ergibt zusammen 174,70 kg.

Fügen wir noch den von der Knaus Tabbert AG vergessenen AdBlue-Tankinhalt von 20,71 kg hinzu, dann kommen wir auf insgesamt 195,41 kg.

90% Dieseltankfüllung56,70 kg
Fahrergewicht75,00 kg
Flüssiggasflasche inklusiv Füllung23,00 kg
10 Liter Frischwassertank10,00 kg
10 Liter Frischwassererhitzer (Boiler)10,00 kg
_____________________________
Zwischensumme174,70 kg
+ AdBlue Tankfüllung20,71 kg
_____________________________
Gesamtsumme195,41 kg

Der Wischwassertank fehlt übrigens auch noch. Wir werden ihn in diesem Fall einfach mal vernachlässigen.

(Zur Info:
Die Wasserbehälter der eingebauten Truma Combi 4 oder Truma Combi 6 oder Truma Combi E Heizungen fassen jeweils 10 Liter Wasser. Bei den teilintegrierten Knaus / Weinsberg Wohnmobilen haben wir keine Variante mit eigenem Toilettenspültank entdeckt.)

Da uns Knaus Tabbert das Leergewicht ihrer Wohnmobil Modelle letztmalig in der Knaus Preisliste 2021-2 liefert, nehmen wir uns diese nun vor und ziehen bei jedem 3,5 Tonner Wohnmobil von der Masse im fahrbereiten Zustand das Leergewicht ab.

Also:

Masse im fahrbereiten Zustand (kg) – Masse des leeren Fahrzeugs (kg) = 155 kg

Wir kommen auf 155 kg bei allen 3,5 Tonnen teilintegrierten und vollintegrierten Knaus Wohnmobilen!!!

Wie kann das sein?

Oben haben wir doch gerade ausgerechnet, dass 90% Dieseltankfüllung, Fahrergewicht von 75 kg, 23 kg Gesamtgewicht einer Flüssiggasflasche, sowie 10 kg Wasser im Frischwassertank und 10 kg Wasser im Frischwassererhitzer 174,70 kg ergeben. Und wenn wir den vergessenen AdBlue-Tank mit 20,71 kg noch hinzufügen, kommen wir auf 195,41kg.

Wieso gibt es eine Diskrepanz von 40,41 kg?

Wären damit alle Gewichte im fahrbereiten Zustand in den KNAUS / WEINSBERG Preislisten also eigentlich höher? Stimmen möglicherweise die Gewichtsangaben in den Knaus Tabbert Preislisten nicht? Hatten wir das Thema nicht gerade bei der Hymer Gruppe, um die sich nun die Stuttgarter Staatsanwaltschaft kümmert und im Januar eine Razzia in deren Räumlichkeiten durchgeführt hat?

40,41 kg mag auf den ersten Blick nicht viel erscheinen, doch wenn wir die Berechnungen der Mindest-Nutzlast, die wir als Wohnmobil-Käufer unbedingt einhalten müssen, genauer unter die Lupe nehmen, dann sieht es ziemlich kritisch aus. Wenn wir dann noch bedenken, dass wir das Leergewicht noch um die 5% Toleranz erhöhen müssen, dann ist für einige Knaus Tabbert Wohnmobil Modelle Schicht im Schacht. Warum die überhaupt noch produziert und verkauft werden ist fraglich, aber wie heisst es so schön in den Preislisten der Knaus Tabbert AG?

Bei der Auswahl von Zusatzausrüstung tragen Sie Verantwortung dafür, dass Ihr KNAUS Freizeitfahrzeug nach Abzug der Masse der Fahrgäste (veranschlagt mit 75 kg je Fahrgast) und der Masse der Zusatzausrüstung von der maximalen Zulademöglichkeit immer noch über eine Mindest-Zulademöglichkeit (= Mindest-Nutzlast) verfügen muss, die keinesfalls unterschritten werden darf (vgl. Anhang I, Teil A, Ziff. 2.6.4.1.2 VO (EU) 1230/2012).

Als Käufer des KNAUS Freizeitfahrzeugs sind Sie zur Einhaltung der Mindest-Nutzlast verpflichtet.

Wir sind noch lange nicht fertig mit diesem Bericht.

Um aber den einzelnen Leser nicht mit Zahlen, Gewichten und Formeln sowie Berechnungen zu überladen, folgt in unserem nächsten Beitrag (oder Beiträgen) ein Einblick darüber, wie die Knaus Tabbert über die Jahre hinweg, das Gewicht im fahrbereiten Zustand verändert hat. Natürlich werden wir auch noch darauf eingehen, wie wir alle Wohnmobil Modelle mit den entsprechenden Beladungen durchgerechnet haben und von welchen 3,5 Tonner Wohnmobilen man lieber die Finger lassen sollte. Auch das Thema von gefälschten Zulassungsdokumenten (COC – Certificate of Conformaty) bedarf einer genaueren Betrachtung. Und „last but not least“, wie soll man sich denn nun beim Kauf eines neuen Wohnmobiles verhalten, wenn notwendige Gewichtsangaben fehlen, bzw. möglicherweise gar nicht stimmen.

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Peter Fischer
Peter Fischer
3 Monate zuvor

Das ist übrigens schon länger so. Ich hatte 2010 ein Ausstellungsmodell gekauft mit Sonderausstattung, das – so wie ich übernommen hatte – mehr als die zulässigen 4t wog. Ich konnte es – Gott sei Dank – ohne größere Kosten auf 4,5t auflasten. Bemerkt hatte ich es nur, weil ich das Gewicht der üppigen Sonderausstattung grob überschlagen hatte und etwas stutzig wurde. Als ich dann auf eine Waage fuhr, hatte ich Gewissheit. Den Händler hatte das nicht interessiert.